SM8/H1 250 kW Rundfunksender

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Auf dem Funkerberg befindet sich eine Sammlung vollständig erhaltener Rundfunksender.
Einer davon ist der sogenannte Köpenicker Sender
, ein 250 Kilowatt Mittelwellensender,
der in offener Bauweise imposant die Sendetechnik darstellt.
 

 

Der Sender SM8/H1
ein Teil deutscher Rundfunkgeschichte

Im Jahre 1948 wird in Kopenhagen eine europäische Funkkonferenz einberufen. Im Ergebnis dieser Konferenz ensteht eine verbindliche Frequenzzuweisung für den Rundfunkbetrieb der einzelnen Staaten Europas - der Kopenhagener Wellenplan. Nach Inkrafttreten des Kopenhagener Wellenplans am 15.03.1950 beschließt das Ministerium für Post - und Fernmeldewesen der DDR den Aufbau eines Rundfunknetzes im Mittelwellenbereich.

Da man mit relativ wenigen Standorten (Wöbbelin, Berlin - Köpenick, Burg, Dresden, Wachenbrunn) eine flächendeckende Rundfunkversorgung im Mittelwellenbereich gewährleisten wollte, mussten Sender mit hoher Abstrahlungsleistung installiert werden. Diese Aufgabe bereitete erhebliche Probleme, da zu diesem Zeitpunkt keine leistungsfähige Industrie verfügbar war, die die notwendigen Voraussetzungen für den Bau solcher Großsendeanlagen lieferte. Außerdem fehlte es an Fachpersonal zum Aufbau und Betrieb der Anlagen.

Trotz dieser Schwierigkeiten gelang es am 06.07.1952 den Dauersendebetrieb mit dem Sender Z3/1 in Berlin - Köpenick aufzunehmen. In der Folgezeit entstanden weitere Sendeanlagen

  • - 15.10.1953 Sender Wöbbelin SM1 mit 250 kW

  • - 15.12.1953 Sender Burg SM3/H1 und SM3/H2 mit 250 kW

  • - 08.05.1954 Sender Dresden SM4 mit 250 kW

  • - 07.10.1959 Sender Wachenbrunn SM8/H2 mit 250 kW

  • Sender Berlin - Köpenick SM8/H1 mit 250 kW

Um einen unterbrechungsfreien Betrieb in Berlin - Köpenick zu gewährleisten, entschloß man sich neben dem bereits existierenden Sender Z3/1 einen zweiten Sender Z3/2 aufzubauen. Dieser wurde im Juni 1956 in Betrieb genommen. Man hatte im Laufe der Inbetriebnahmen und Betriebszeiten der einzelnen Sendeanlagen viele Erfahrungen und Erkenntnisse gewonnen. Infolge dessen entschloß man sich, den durch seine "Kinderkrankheiten" sehr anfälligen Prototyp Z3/1 vollständig durch ein nun serienreifes Baumuster zu ersetzen - den SM8/H1.

Der Sender SM8/H1 hat, wie seine Vorgänger, eine Trägerleistung (Output) von 250 kW. Diese Hochfrequenzleistung wird in einer Gegentakt - C - Endstufe aus ca. 330 kW Eingangsleistung (Input) bei einem Wirkungsgrad von ca.75% gewonnen. Die Hochfrequenz - Endstufe setzt dabei eine Verlustleistung von 80 kW in Form von Wärme frei, die durch eine Wasserkühlung von den Endstufenröhren abgeführt werden muß, um sie vor thermischer Zerstörung zu bewahren. Zum Vergleich sei hier bemerkt, daß man mit einem 2 kW Heizstab schon eine Menge warmes Badewasser bereiten kann!!!

Erzeugt wird das hochfrequente Signal - der "Träger" - im Steuersender der Anlage, einem geschlossenen Schaltschrank. Zwei Möglichkeiten waren für die Frequenzerzeugung vorgesehen:

  • Durch einen Quarzoszillator für Festfrequenzen bei hoher Frequenzkonstanz

  • durch einen freilaufenden Oszillator für eine variable Frequenz im Mittelwellenbereich (525 kHz.bis 1605 kHz) bei geringer Frequenzkonstanz

An die Frequenzerzeugung im Steuersender schließen sich mehrere Hochfrequenzverstärker - Treiberstufen - an. Sie müssen das schwache Oszillatorsignal derart verstärken, daß die Endstufenröhren durchgesteuert werden können. Keine leichte Sache, wenn man bedenkt, daß ein Anodenstrom von 2 X 15 A bei 11000 V Anodenspannung im Rhythmus der Hochfrequenz zu "beeinflussen" ist. Die hohen Spannungen und Ströme sind letztlich auch der Grund, warum die Endstufe dieser Sendeanlagen in offener Bauweise ausgeführt wurden.


In einem zweiten Schrankzug wird das niederfrequente Modulationssignal, also die eigentliche "Sprache" oder "Musik", vom Studio übernommen und in mehreren Stufen verstärkt. Die Modulationsendstufe befindet sich ebenfalls im "offenen" Teil des Senders. Sie arbeitet als Gegentakt - B - Verstärker auf einen Transformator , dem Modulationstransformator. Über seine Sekundärseite wird der Hochfrequenzendstufe die Anodenspannung zugeführt. Dabei überlagert sich die Anodenspannung mit der Modulationsspannung. Es handelt sich hierbei also um eine Anodenspannungsmodulation. Die Steuerung und Überwachung der gesamten Anlage erfolgte von einem zentralen Schaltpult aus.
 

Von 1959 - 1990 arbeitete der Sender SM8/H1 in Berlin - Köpenick auf den Mittelwellenfrequenzen 693 kHz mit dem Programm"Berliner Rundfunk" und 1359 kHz mit dem Programm "Radio Berlin International".

Von 1990 - 1993 sendete er das Programm "Antenne Brandenburg" (693 kHz) und das Programm "Deutschlandfunk" (1359 kHz).

Am 02.04.1993 erfolgte die endgültige Abschaltung des Senders SM8/H1.

 

Das Zeitalter der Großsendeanlagen war beendet. Die Nachrichtentechnik der Neuzeit hatte andere Dimensionen angenommen. Immer empfindlichere Empfänger konnten auch kleinere Sendesignale qualitativ gut wiedergeben. Andere Frequenzbereiche und Sendemethoden machten die zielgerichtete Informationsversorgung auch mit kleinen Sendeleistungen möglich. Hier sei der UKW - Rundfunk und das Satelliten - Fernsehen als Beispiel genannt.

Im Dezember 1994 begann die Demontage des Senders SM8/H1 in Berlin - Köpenick.

Als Dauerleihgabe des Museums für Post und Kommunikation Berlin wurden die Einzelteile dieser Anlage nach Königs Wusterhausen verbracht und zwischengelagert. 1998 erfolgte der original getreue Wiederaufbau des Senders SM8/H1 auf dem Funkerberg Haus 1 in Königs Wusterhausen zu Ausstellungszwecken im dort beherbergten Sender- und Funktechnikmuseum.

Seit März 1999 kann die Anlage im Rahmen des Besucherprogramms im Museum besichtigt werden.